MORE! MORE! MORE! HONEY I LIKE IT! HONEY I LIKE IT!

Hessenland! Du hast es in der Hand! Näxten Wahlsonntag ist der Hessenwähler aufgerufen, sein Kreuz in der Wahlkabine abzugeben für das Hessenparlament. Realität und Ersatzrealität, digitale Welt und analoge Welt führen weiterhin einen zähen Kampf um die Welt-Herrschaft.

Unter dem Motto doppelt gemoppelt hält besser grüsst deswegen immer noch an jeder günstig gelegenen Straßenecke ein Wahplakat den Wähler. So mancher Bürger fühlt sich umzingelt von so viel Aufmerksamkeit und empfindet die Wahlwerbung als Zumutung. Die Not komplexe Inhalte auf engen Raum in kurze Worte zu fassen, führt zu so mancher grammatikalichen Verstümmelung.Das Phänomen lässt sich tagtagtäglich auf der Seite 1 der BILD Zeitung betrachten: Wie sagen wir es dem Leser bzw. dem Wähler?

Die LINKE löst das Rätsel durch die schlichte Forerung nach MEHR für die Mehrheit bzw. MEHR für DIE KLEINEN. Das ist originell, wenn nicht gar genial zu nenen, weil der Leser aufgefordert wird seinen Kopf anzustrengen. Wer ist das ? DIE KLEINEN? Die kleinen grünen Marsmännchen von outer Space? Das kleine Leute Milieu? Die Minder – und Unterprevilegierten? Eine kleine radikale Minderheit? Die kleinen Kinder? Bingo! Was mich an dem Spruch persönlich aber am meisten anspricht ist das expressive MEHR! im Future, das wie ein Zeitstrahl in die Zukunft ragt und so ganz nebenbei an die Vergangenheit erinnert.

‚Mehr Tempo! Mehr Glück! Mehr Macht!‘ schreibt Franz Jung 1923 in seinem theoretichen Hauptwerk ‚die Technik des Glücks‘ : ‚Mehr Tempo, mehr Glück – das ist mehr Macht. Macht ist Erlebnistiefe. Intensitätsdichte, die Beherrschung im Rhytmus. (…) Diese Macht setzt nicht mehr das Ziel an die Spitze, den Willen zum Herrschen. (…) Es ist die Steigerung des Ich-Gefühls. (…) Ein Jubel zur Welt, die Rhytmik des Ja-Sagens. (…) Es ist ein psycho-technische Disziplin. (…) Sie ist unfehlbar und schmilzt jeden Widerstand.‘

Das sind Worte, die in ihrer Drastik und Emphase heute nur noch wenig tauglich scheinen Menschen aufzurufen für Veränderung einzutreten. Zu sehr hat der deutsche Geist gesündigt und sich worttrunken hingegeben. Das sind aber auch Worte, die Trauer spüren lassen über den Verlust der radikalen Forderungen der Arbeiterbewegung weltweit, die in einem blutigen Drama zerrieben wurde zwischen den Fronten im zweiten Weltkrieg.

Im Angesicht dessen verstrahlt die Banalität der Parolen, mit der die Erben heute zur Hessenwahl antreten eine gemütliche Grundhaltung, die an eingeschlafenen Füße erinnert. Es kribbelt! Es ist taub! Höchst Zeit aufzustehen und sich die Füße zu vertreten!

Die Spezidemokraten von der SPD werben z.B. mit dem Kryptotext ‚Zukunft jetzt machen‘. Um das besser zu verstehen, bedarf es einer Übersetzung. Zukunft = zukünftige Generation = Kinder. Also: Treibt es bunt! Treibt es wild! Schutziger Sex! Ficken! Ficken! Ficken! Sex! Sex! Sex! Arbeit! Arbeit! Arbeit! Auch nicht besser DIE GRÜNEN : ‚Vernunft gestaltet geiler….‘. Was geht ab? Wollen DIE GRÜNEN uns auch noch mal zusätzlich aufgeilen? Baby-Boom-Verschwörung dank Rot-Rot-Grün? Da lob ich mir die CDU. Ein zerknitterter Hessen-Präsi beschränkt sich auf Satzanfänge:‘ so viel Polizisten wie noch nie‘ (nerven rum bis zum Abwinken) oder ‚So viel Arbeitsplätze wie noch nie‘ (siehe oben). Top of the Cops: Mega-Giga Cop Volker Bouffier!

Franz Jung schreibt 1923 in der Technik des Glücks im Kapitel ‚Mehr Liebe‘: Wir sind da.Das Erleben weitet sich. (….) Das Erleben bekommt Tempo. Der Rhytmus macht das Glück bewußt. Glück steigert.(….) Der Mensch wächst über sich hinaus. Er wird menschlicher.‘