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Allways look on the bright side of death

halli-hallo alle zusammen! Kuerzlich erst hatten wir die Ehre mr. corona im zangkok post studio begruessen zu duerfen. Heute haben wir exclusiv fuer sie doctor death zu Gast. Sozusagen die superlative der superlativen: der godfather of death persoenlich!

zangkok post: Sie gelten als guetiger Samariter, der die geplagten Seelen von ihrem irdischen Jammertal aus fortdauernden Truebsinn, Muehsal und Qual erloest. Wieso rennen die Menschen bei ihrem Anblick weiterhin in Panik und Schrecken davon, statt sie zu umarmen?

dr. death: Ich weiss auch nicht was am ewigen Leben so toll sein soll, das man es staendig verlaengern muss. Das scheint mit der DNA zusammenzuhaengen. Fragen sie die Todgeweihten doch selber mal?

z.p: Wie kann man sie sich am besten vorstellen? Sie treten im Alltagsleben ja kaum noch in Erscheinung?

dr.d.: Thomas Mann hat mich als waechserne Puppe gezeichnet, der nur noch wenig anfhaftet, was der Person einst eigen war, aus der das Leben wich. Er hat mir auch etwas unreines attestiert.

z.p.: Frueher waren sie allgegenwaertig, sozusagen omnipraesent. Heute sind sie vergessen und an den Rand gedraengt. Sind sie reif fuer das Museum?

dr.d: Ich tauge nix als Staatskultur. Ich bin ein Staatsfeind. Ich bin ein Anarchist. Ich lass mich nicht berherrschen.

z.p.: Praezidieren sie das bitte?

dr.d.: Ich darf Walter Benjamin zitieren:’Es gibt fuer die Menschen wie sie sind, nur eine radikale Nachricht und das ist immer die gleiche: der Tod.

z.p.: Nun gibt es aber die lebensverlaengernden Massnahmen?

dr.d.: Das Pseudoleben erzeugt den Pseudotod.

z.p.: Konkreter bitte?!

dr.d.: Den Menschen in den Weltzeitmetropolen, diese truebe Tassen-Sammlung trauriger Gestalten auf dem Weg in den Malstrom, die jeden Tag neu aus ihren schlechten Traeumen erwachen, um panisch auf ihre Displays zu starren, ist nur noch eins gemeinsam: muede zu sein. Ich bin immer hellwach. Ich bin nie muede. Die Feuer des Ganges gehen niemals aus.

z.p.: Ihr erster grosser Auftritt als global player kam mit der Pest, die bis heute im historischen Gedaechtnis haftet. Die spanische Grippe nach dem ersten Weltkrieg kostete doppelt so viele Menschenleben, ist aber lediglich als Fussnote der Geschichte bekannt. Was war der Unterschied?

dr.d.: In der populaeren Darstellung des Mittelalters bin ich der Sensemann mit dem Stundenglas. Ich schaerfte das Bewusstsein fuer die Kuerze des Lebens. Wer noch lebte und ueber die noetigen Gueter verfuegte, kostete sein Leben nun aus. Ich bereitete den Markt fuer Luxusgueter. Ich verfeinerte die Sinne. Ich schuf den Ueberfluss und die Verschwendung. Ich zelebrierte das Leben als Fest. Ich war die Wiege der Renaissance. Ich war der Foerderer der schoenen Kuenste. Ich war die Basis fuer den Aufstieg Europas zur globalen Weltmacht. Ich war die Vorstufe fuer das Anthropozaen.

z.p.: die spanische Grippe….?

dr.d.: Die abhaengigen Massen in den Metropolen waren nach Weltkrieg I traumatisiert von den wildgewordenen Produktivkraeften, die sich in Destruktivkraefte verwandelt hatten. In den Staedten und Doerfern sah man die psychischen und physischen Truemmer amputierter menschlicher Existenz. Wie kann dann eine neue Art zu sterben noch groesser erschrecken? Ich war sozusagen ein guter alter Bekannter und den Menschen vertraut. Die spanische Grippe wurde zur Randnotiz unter ferner liefen auf der letzten Seite. Der Kapitalismus hat 50 Millionen Virustote im arbeitsfaehigen Alter weltweit verschluckt und noch nicht einmal geruelpst. Es war vielleicht auch sehr hilfreich, das es noch kein Fruehstuecksfernsehen und kein Internet gab, mit einer Rasselbande sich widersprechender Virologen als Talkgaeste. Europa, die Welt, lebte noch nicht in einer Diktatur der Meinungsumfragen und Einschaltquoten.

z.p.: Apropos Europa: die alte Welt versklavte die neue Welt vor rund 500 Jahren. Welche Rolle spielten sie dabei?

dr.d.: Der nach Scheisse stinkende Haufen selbsternannter Moechtegern-Gotteskrieger, waere niemals in der Lage gewesen Amerika zu erobern, ohne meine grosszuegige Hilfe. Ich schlug die Schneise in die indigene Zivilisation auf dem Weg der epidemologischen Kriegsfuehrung. Die Konquistatoren schritten ueber Leichenberge, die der massenhafte Virustod kreierte. Erst danach trat das ausgesprochen profitable Handelsdreieck Europa-Afrika-Amerika des britischen Empires in Kraft, durch die das schwarze Gold auf die Sklavenmaerkte der neuen Welt floss.

z.p.: Wir hoeren immer wieder den Zischlaut ‚ICH“von ihnen. Sind sie ein Narziss?

dr.d.: Ich bin kein Buerger mit einer narzistischen ICH -Stoerung. Ich bin ein einfacher Arbeiter. Ich belaestige keine Supermarktkassierer mit meinen Endzeitfantasien. Ich imaginiere keine Pseudowelt in einer Ersatzrealitaet. Ich bin teaetig. Werktaetig. Taeglich. Stuendlich. Jetzt. Ich egalisiere und harmonisiere. Friedhoefe sind die Bibliotheken des Lebens.

z.p.: Stichwort Buecher. Sie sind oft Thema in der Literatur. Sozuagen das letzte Mysterium. Gibt es ein Buch, das sie uns waermstens empfehlen koennen?

dr.d.: Ich empfehle“death machine“, eine Internet-Anthologie, die auf einer zentralen Idee basiert: die sog.’death machine‘. Jeder Mensch hat das Recht ab einem bestimmten Alter seine Todesart zu erfahren. Die ‚death machine‘ ermittelt die Todesart mit Hilfe der DNA. Ich bin dann nicht mehr laenger abstrakt. Ich bin erfahrbar, konkret, vorstellbar, abrufbar in jedem Individium. Das Wissen ueber den eigenen Tod veraendert die Menschen und die Gesellschaft. In einer Geschichte erfaehrt der Protagonist, das er von Loewen zerfleischt wird. Die Vorstellung wird zur Obsession. Seine letzten Worte sind: ‚Kommt nur ihr Biester! Zerfleischt mich!‘.

z.p.: Noch ein paar duerre Worte am Ende von unserem Interview fuer unsere Leser? Ein winke winke?

dr.d.: Loslassen ist angesagt!“