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Goetterdaemmerung

Aus Goettern werden Menschen. Die Erkenntnis wiegt schwer. So dermassen tonnenmaessig und irrsinnig schwer, das Christian D., der Verkuender des Virus, erst kuerzlich medial zu Hack verarbeitet und oeffentlich gegrillt wurde. Eben noch Virus-Gott in Weiss – jetzt der letzte Virus-Depp. Das Virus taugt nix mehr zur Auflagensteigerung fuer das Massenblatt No.I in Deutschland. Also wird Christian D. kurz mal in die Pfanne gehauen. Das erfreut das BILD lesende Volk. Soll das Virus ihn holen! Jetzt sind alle irgendwie erleichtert. locker, luftig und frei von jeder Erkenntnis.

Zumindest im Ausland bringt das Virus noch Leistung. Erfrischend die Live-Berichterstattung aus u.s.-amerikanischen Staedten. Das Feuerrot der Brandstiftungen bietet ein beeindruckendes Schauspiel. Trauriger Anlass ist eine Bild-Sequenz, die 4 Angehoerige eines systemrelevanten Berufs bei der Ausuebung ihrer Taetigkeit zeigt. Wir wissen jetzt wieviel ein Menschenleben in den U.S.A. wert ist – wenn man die falsche Hautfarbe im falschen Stadtteil hat – 20 Dollar.

‚I can not breathe.‘ Das Zitat klingt stark nach einer Allegorie fuer das Feulletion. Fehlt nur noch der Regenwald in Flammen – die Lunge der Welt brennt! Geht noch mehr Drama? Sehr viele Phrasen, wurden im letzten Quartal, in sehr kurzer Zeit, verbrannt. Eine mediale Atempause sei uns gegoennt, bei so viel erhoehter Puls der Zeit. Auch dieser Blog sehnt sich retour in den Pseudo-Zyklus aus Konsum und Spektakel. Das Virus als Sinnersatz fuer alle und alles ist passe – bleib gesund als neue Grussformel ist out – wo ist der naexte Kippenautomat?

Beim Erste-Hilfe-Einsatz gilt, wer laut schreit, lebt noch. Das kritische Drama spielt sich in in aller Stille ab. So schlecht kann es den Maerkten nicht gehen – sie schreien noch. Demnaext regnet es Geld – staatliches Manna – vom Himmel. Der Staat als Gott, der die Maerkte durch die Wueste fuehrt.

Geadelt vom Stellverteter Gottes auf Erden wurde auch kuerzlich eine Forderung, die seit Dekaden durch die politischen Debatten, als fernes Utopia, irrlichtert. Bedingungsloses Mindesteinkommen. Existenzlohn. Buergergeld. Das Kind hat viele Namen. Von Neoliberalen bis Linksradikalen wurde es auf den Trohn gehoben und mit Eigenschaften versehen. Es ist als Couch-Potato verschrien. Massenuntauglich. Nicht vermittelbar. Eine faule Sau! Das ist wie ein Talent, das stets gelobt wird, aber nie zur Geltung kommt.

Nun wurde das bedingungslose Mindesteinkommen, Virus sei Dank, als Sturzgeburt global zur Welt gebracht. Weniger zum Wohl der Menschen, sondern mehr zur Beruhigung der Maerkte. Demnaext verschwindet das Krueppelkind der Soziologie dann wieder im Aktenschrank fuer den Notfallplan.

Der Mensch – des Menschen Freund? Das waere mal was Neues! Seit Bismarck dient Sozialgesetzgebung in Deutschland als Klassenkampf von Oben. Dem kapitalistischen Geist, der stets rechnet und auf Geldvermehrung aus ist, kommt es nicht in den Sinn, ohne Gegenleistung, Geld zu verschenken. Papst Franziskus sprach auch sehr vorsichtig von einem ‚vielleicht‘ waere es an der Zeit, als er die Forderung unterstuetzte.

An guten Ideen mangelt es bekanntlich nicht. Oft fehlt es nur am revolutionaeren Funken. der auf die Massen ueberspringt. Vielleicht waere es auch an der Zeit den kapitalistischen Geist ins Weltall zu schiessen? Das ist zumindest eine Idee oder ein Gedanke, der sich mehr lohnt und etwas weniger gottgegeben nach Almosen klingt, sondern mehr down to earth und menschenfreundlich nach das grosse Los und 6 Richtige fuer Alle.